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März 11 2015

"Know your enemy" oder: Warum das Crewtreffen so wichtig ist

Ein Vorbereitungstreffen vor dem Törn? Das machen doch nur Übermotivierte mit zu viel Zeit, dachte ich lange – bis zu jenem Kroatien-Urlaub mit einem befreundeten Pärchen. Seither kläre ich einige Fragen lieber vor dem Törn.

Ein Vorbereitungstreffen vor dem Törn? Das machen doch nur Übermotivierte mit zu viel Zeit, dachte ich lange – bis zu jenem Kroatien-Urlaub mit einem befreundeten Pärchen. Seither kläre ich einige Fragen lieber vor dem Törn.
Crewtreffen machen Spaß
Ein Vercharterer hatte dem Magazin, für das ich damals arbeitete, eine Yacht in Dalmatien zur Verfügung gestellt. Eine Woche Inselhüpfen, zu bezahlen nur Flug und Bordkasse. Mein Freund und ich beschlossen, Miriam und Jörn zu fragen, ob sie uns begleiten - gute Bekannte, mit denen man abends weggehen, aber auch mal eine Radtour machen konnte. Unkompliziert und für jeden Spaß zu haben. Zwar keine Segelerfahrung, aber sportlich. Sollte klappen.

Schon auf dem Hamburger Flughafen, vor der Abreise nach Split, kamen mir erste Zweifel. Zwar stiegen Miriam und Jörn gemeinsam aus dem Taxi, doch auf dem gesamten Flug nach Split redeten sie kein Wort miteinander. Grund war, wie ich später von Miriam erfuhr, einer ihrer häufigen Streits, nach denen sie einander tagelang ignorierten, obwohl sie den ursprünglichen Grund schon vergessen hatten.

Dalmatien ist toll: Blaues Wasser, eine sanfte Brise, nach Rosmarin duftende Inseln und Buchten. Ein paar Tage drückten wir uns in teuren Marinas herum, bis wir uns endlich trauten, über Nacht zu ankern. Mein Freund und ich stellten uns, noch etwas unsicher, alle 20 Minuten einen Wecker und checkten die Ankerpeilung. Als Lohn für die durchwachte Nacht sprangen wir noch vor dem Frühstück ins Wasser. Als wir über die Badeplattform wieder hinaufkletterten, begrüßte uns Miriam, eingehüllt in eine Wolldecke, um den Hals einen Schal. Sie sei es nicht gewohnt, so kühl zu schlafen – dabei waren es schon morgens 25 Grad. Zum Baden konnten wir weder sie noch Jörn überredeten. Beide sehnten sich nach einer heißen Dusche. Der Duschschlauch in der Nasszelle wurde als Ersatz nicht akzeptiert. So zwängten mein Freund und ich das Boot abends wieder an einen überteuerten Marinasteg. Geankert haben wir danach nicht mehr.

Während mein Freund und ich uns darüber ärgerten, in einer hässlichen Marina wie in einer Sardinenbüchse zu liegen, kamen unsere Mitsegler strahlend und duftend aus den Duschen zurück. Der Bord-Segen wackelte. Aber es kam mir auch ungerecht vor, auf die beiden böse zu sein: Schließlich hatten sie noch nie auf einem Segelboot übernachtet und wussten nicht, was auf sie zukommt. Seither erkläre ich Freunden ohne Segelerfahrung vorher gründlich, was Urlaub auf dem Boot bedeutet: nämlich wenig Platz, sparsamer Umgang mit Wasser und Strom, und Duschen unter einem dünnen Wasserstrahl auf engstem Raum.

Als nächsten Schritt stecken wir dann gemeinsam eine grobe Route ab, die den (Dusch-)Bedürfnissen aller gerecht wird. Auch die Frage „Wie lange am Tag wollen wir segeln?“ hat sich als ganz wichtig herausgestellt. Denn wäre es nach Miriam und Jörn gegangen, wären wir immer erst gegen Nachmittag ausgelaufen und in die nächste Bucht motort. Segeln fanden sie eher langweilig.

Immerhin redeten die beiden mittlerweile wieder miteinander. Nachdem wir viel an Bord gekocht hatten, gingen wir in der Altstadt von Hvar essen: Vorweg eine Vorspeisenplatte mit kroatischem Schinken, dann jeder eine Pizza, dazu ordentlich Wein. Miriam pickte nur ein bisschen an dem Teller herum und trank Wasser. Als es ans Bezahlen ging, verlangten Miriam und Jörn getrennte Rechnungen. Nicht nur der Kellner schaute pikiert; auch für mich war es selbstverständlich, dass im Urlaub alle zusammenwerfen. Der Keil, der die Crew spaltete, wurde größer.

Einfach die Bordkasse zu zücken und die Rechnung daraus zu begleichen, hätte die Situation entspannt. Doch wir hatten uns – wegen der sehr unterschiedlichen Essgewohnheiten – dagegen entschieden, eine aufzumachen. Das Ergebnis war eine nervige Rechnerei bis auf den Cent nach Törnende. Mittlerweile bestehe ich auf einer gemeinsamen Bordkasse, aus der Hafengebühren, Lebensmittel und auch Restaurantbesuche bezahlt werden. Ganz wichtig vorab ist die Frage, ob auch Alkohol aus der Bordkasse bezahlt werden soll. Wenn einige Crewmitglieder viel und andere so gut wie gar keinen Alkohol trinken, droht in dieser Frage Streit.

Zurück in Hamburg fiel die Verabschiedung ziemlich frostig aus, und der Kontakt flachte nach dem Urlaub merklich ab. Miriam und Jörn haben sich dann auch bald getrennt.

An dem traurigen Ende der Beziehung hätte natürlich auch ein Crewtreffen nichts ändern können. Aber einige grundlegende Fragen sollte man vor dem Törn abklopfen – zum Beispiel, auf welche Kompromisse sich Naturburschen und Warmduscher einigen können. Natürlich ist man vor bösen (menschlichen) Überraschungen nie sicher – gerade an Bord, wo sich aus den beengten Platzverhältnissen eine ganz eigene Dynamik entwickeln kann.

Wer würde hier nicht gerne dabeisein?

Mit der folgenden Checkliste für das Crewtreffen lassen sich aber einige grundlegende Fragen klären:

1)    Was für ein Törn soll es werden?
Buchtenbummeln oder Meilen machen? Jeden Abend Party oder entspannen in der Ankerbucht? Diese Fragen sollten alle Crewmitglieder vorher klären und eine grobe Route planen. Nicht zuletzt hat das Reiseführer wälzen und Karten studieren für die Törnplanung einen schönen Effekt: Es schürt die Vorfreude.

2)    Was soll aus der Bordkasse bezahlt werden?
Erfahrungsgemäß ist eine Bordkasse, die von einem Crewmitglied verwaltet wird, viel entspannter, als wenn jeder „seins“ bezahlt. Klären Sie vorab, wieviel jedes Crewmitglied maximal hineinlegen möchte, und was aus der Bordkasse bezahlt werden soll: Restaurantbesuche, Alkohol und kulinarische Sonderwünsche führen oft zu Diskussionen.

3)    Welche Versicherungen müssen/sollen abgeschlossen werden?
Charter-Neulinge sind oft überrascht zu hören, dass die normale Privathaftpflichtversicherung nicht greift, wenn auf einem Chartertörn Schäden an Dritten entstehen. Eine Charterhaftpflichtversicherung kostet nicht die Welt, aber muss vorher abgefragt werden. Optional können Sie auch über eine Kautionsversicherung nachdenken, die den Selbstbehalt der Kaskoversicherung abdeckt, wenn Sie Schäden an der Charteryacht anrichten.

 
 
 
Felix Wolf
f.wolf@yachtbooker.com

Felix ist Mitgründer und Inhaber von YachtBooker. Er ist selber Charterskipper und hat Spass daran neue Segelreviere zu erkunden.

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